Das Musée Hergé: über Tims Abenteuer hinaus
In Louvain-la-Neuve bietet das Musée Hergé Entdeckungen und eine Begegnung mit einem vertrauten Helden. Zeichnung, Erzählkunst, Dokumente und Architektur eröffnen mehrere Zugänge zur Entstehung eines Werks.

Ein Museum für einen Künstler mit vielen Tätigkeiten
Hergé, 1907 als Georges Remi geboren, ist nicht nur der Schöpfer von Tim und Struppi. Als Illustrator, Grafiker und Autor entwickelte er eine Art, Bilder und Geschichten aufzubauen, die den Comic tief geprägt hat. Das Museum lädt ein, über die sofort erkennbaren Figuren hinauszusehen und die Arbeit zu betrachten, die sie entstehen lässt. Eine Comicseite, eine Vorzeichnung oder ein Recherchedokument werden so selbst zu Entdeckungsobjekten. Man kann mit Leseerinnerungen kommen und mit einem aufmerksameren Blick auf das Erzählen gehen.
2009: eine neue Etappe für das Werk
Das Museum wurde 2009 in Louvain-la-Neuve eingeweiht. Diese Wahl verankert ein Comic-Erbe in einer modernen Universitätsstadt statt in nachgebauten Albumkulissen. Die Fondation Hergé setzt sich heute für Schutz und Ausstrahlung des Werks ein. Diese bewahrende Dimension zählt: Originale auszustellen heißt nicht bloß bekannte Bilder zu zeigen, sondern Stücke zugänglich zu machen, deren Material, Strich und Korrekturen anderes erzählen als eine gedruckte Reproduktion. Das Museum verleiht einer oft aus Büchern bekannten Welt so eine materielle Präsenz.
Architektur als Teil des Besuchs
Christian de Portzamparc entwarf das Gebäude am Rand des Parc de la Source. Seine Baukörper und die Wege zwischen den Sälen gehören zum Erlebnis. Der Blick wandert vom Werk zum Raum, vom Rahmen zur Perspektive. Die Entdeckung beschränkt sich daher nicht auf eine Reihe von Vitrinen. Wir empfehlen, diesen Dialog aufmerksam zu betrachten: Wie fällt Licht herein, wie verändert ein Steg den Blickwinkel, wie ermöglicht ein Raum das Verweilen vor einer Zeichnung? Architektur wird zu einer weiteren Art, von Bild und Bewegung zu sprechen.
Sammlungen, die sich neu lesen lassen
Die Geschichte der Wechselausstellungen zeigt die thematische Breite: die Verbindung mit Tchang, Züge, erdachte Reisen, Malerei oder Begegnungen mit anderen Künstlern. Das Museum beschränkt sich also nicht auf das Inventar einer Albenreihe. Vergangene Ausstellungen verdeutlichen die möglichen Lesarten des Werks; sie sagen nichts über das Programm am Besuchstag voraus. Familien können mithilfe der angebotenen Werkzeuge und Führungen ebenfalls einen passenden Zugang wählen. Ein gemeinsam betrachtetes Detail oder der Aufbau einer Seite kann zum geteilten Beobachtungsspiel werden.
Die Namensanekdote und die Freude am Schauen
Hergé entstand aus den umgekehrt gelesenen Initialen von Georges Remi: R und G, auf Französisch ausgesprochen. Diese kleine Verschiebung schuf eine weltweit erkennbare Signatur. Sie ist ein guter Einstieg in einen Besuch über Verwandlungen: Name, Strich, Dokumentation und Bildfolge können eine Welt öffnen. Der Rundgang beginnt oben und verbindet die Bereiche über Stege und Treppen. Wir mögen diesen Ausflug, weil er anders entdecken lässt, ohne umfassende Kenntnis der Alben zu verlangen. Vor der Fahrt helfen aktuelle Ausstellung und offizielle Bedingungen bei der Auswahl. Danach lässt sich der Tag in der Fußgängerstadt fortsetzen: eine zeitgenössische kulturelle Entdeckung, die ganz selbstverständlich nach Wallonisch-Brabant gehört.
Fotos und Bildnachweise
Foto 1 — Außenansicht des von Christian de Portzamparc entworfenen Musée Hergé in Louvain-la-Neuve. EmDee · CC BY-SA 4.0 · Quelle: Wikimedia Commons.
Foto 2 — Architektur des Musée Hergé in Louvain-la-Neuve, fotografiert 2024. EmDee · CC BY-SA 4.0 · Quelle: Wikimedia Commons.
Foto 3 — Ein weiterer Blick auf das Gebäude des Musée Hergé in Louvain-la-Neuve. EmDee · CC BY-SA 4.0 · Quelle: Wikimedia Commons.




